Keine Bewerber auf die Stellenanzeige: Ursachen und Lösungen für Betriebe
Im 2. Quartal 2026 waren in Österreich im Schnitt 123.400 Stellen unbesetzt (Statistik Austria). Ihre Anzeige steht also neben vielen anderen. Dieser Ratgeber geht 7 mögliche Ursachen durch, jeweils mit dem Merkmal, an dem Sie sie erkennen, und der Änderung, die sie behebt. Wer zusätzlich Fachkräfte erreichen will, die nicht aktiv suchen, findet auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung über Facebook und Instagram den Ablauf einer Kampagne.
Bewerber steigen an einer von 5 Stationen aus
Vom ersten Blick bis zum Vorstellungsgespräch durchläuft ein Bewerber 5 Stationen. Er sieht die Anzeige, liest sie, prüft den Betrieb, bewirbt sich und wartet auf eine Antwort. An jeder Station kann er aussteigen, und bei Ihnen kommt nur das Ergebnis an: keine Bewerbung. Jede der 7 Ursachen unten gehört zu einer Station.
2 Prüfungen vorab kosten nichts. Suchen Sie Ihre Anzeige auf dem Handy in einem privaten Browserfenster: Finden Sie sie? Und schicken Sie selbst eine Testbewerbung ab: Kommt sie im richtigen Postfach an? Ein Formular, das an eine alte Adresse sendet oder am Handy nicht abzuschicken ist, sieht von außen aus wie fehlendes Interesse.
Die Anzeige: Kanal, Gehalt, Text und Fotos
1. Der Kanal erreicht nur, wer schon sucht
Ein Jobportal zeigt Ihre Anzeige Menschen, die gerade nach einer Stelle suchen. Fachkräfte mit sicherem Arbeitsplatz suchen nach unserer Einschätzung selten aktiv. Sie erkennen das Problem daran, dass die Anzeige wenige Aufrufe hat, obwohl Gehalt, Text und Bewerbungsweg stimmen, oder dass sich fast nur Menschen melden, die gerade keine Stelle haben.
Ändern können Sie das mit einem zweiten Weg: dieselbe Stelle zusätzlich auf Facebook und Instagram, im Umkreis Ihres Betriebs. Dort sieht sie auch, wer nicht auf Jobsuche ist. Wie das funktioniert, beschreibt der Ratgeber Stellenanzeige auf Facebook und Instagram schalten. Das kostet Werbebudget. Lumen Media plant und schaltet solche Kampagnen.
2. Das Gehalt fehlt
In Österreich ist die Angabe Pflicht. Laut § 9 Abs. 2 des Gleichbehandlungsgesetzes muss die Ausschreibung das für die Stelle geltende kollektivvertragliche Mindestentgelt nennen und auf die Bereitschaft zur Überzahlung hinweisen, wenn eine solche besteht (RIS, Fassung vom 30.09.2026). Gibt es keinen Kollektivvertrag, nennen Sie das Entgelt, das als Mindestgrundlage für die Verhandlung dient.
Neue Regeln kommen mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU) 2023/970: Bewerber sollen das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne vor der Beschäftigung erfahren, zum Beispiel aus der Stellenausschreibung oder vor dem Vorstellungsgespräch. Österreich hätte sie bis 7. Juni 2026 umsetzen müssen; die Umsetzung in Österreich ist offen (Stand 30.09.2026). Bis dahin gilt § 9 GlBG in der bisherigen Form.
Erkennen: Ihre Anzeige nennt keinen Betrag. Ändern: Schreiben Sie den Betrag brutto pro Monat oder Stunde hinein, am besten das Einstiegsgehalt, das Sie tatsächlich zahlen, oder eine Spanne, nicht nur das Minimum. Ergänzen Sie, sofern es stimmt, dass Sie je nach Erfahrung darüber zahlen. Wer den Betrag kennt, muss nicht nachfragen und vergleicht Sie mit anderen Anzeigen, die ihn nennen. Wie der Rest der Anzeige aufgebaut sein sollte, steht im Ratgeber Stellenanzeige schreiben im Handwerk.
3. Der Text passt zu jedem Betrieb
Machen Sie den Test: Setzen Sie den Namen eines Mitbewerbers in Ihre Anzeige ein. Klingt sie weiterhin richtig, ist sie austauschbar. „Abwechslungsreiche Tätigkeit“, „attraktive Bezahlung“ und „junges Team“ stehen in vielen Anzeigen und sagen nichts.
Ersetzen Sie jeden dieser Sätze durch eine Angabe, die nur bei Ihnen stimmt: wo die Baustellen liegen, wie viele Personen im Team arbeiten, wer einarbeitet, welche Weiterbildung die Firma zahlt. „Baustellen im Umkreis von Eisenstadt, abends sind Sie daheim“ sagt einem Bewerber mehr als „flexible Arbeitszeiten“. Setzen Sie nur ein, was in Ihrem Betrieb gilt.
4. Stockfotos zeigen nicht, wo man arbeitet
Erkennen: Laden Sie das Bild in die Google-Bildersuche. Taucht es bei anderen Betrieben auf, kennen Bewerber es vermutlich schon. Ändern: Fotografieren Sie Team, Fahrzeug, Werkstatt oder Baustelle, mit Einverständnis der abgebildeten Mitarbeiter. Handyfotos reichen, wenn Licht und Motiv stimmen. KI-generierte Bilder helfen hier nicht weiter: Sie zeigen Ihren Betrieb genauso wenig wie Stockfotos. In unseren eigenen Versuchen für Meta-Anzeigen kam zudem keine Anzeige ohne Handarbeit aus.
Der Betrieb: Was Bewerber über Sie finden
5. Bewerber finden online wenig über den Betrieb
Wer sich für eine Stelle interessiert, gibt den Betriebsnamen in Google ein. Machen Sie es wie ein Bewerber und lesen Sie, was erscheint. Ein Problem liegt vor, wenn es kein Google-Unternehmensprofil gibt, Bewertungen fehlen oder Jahre alt sind, oder die Website keine Seite für Bewerber hat.
Ändern Sie das in dieser Reihenfolge: Profil vollständig ausfüllen, zufriedene Kunden um eine Bewertung bitten und eine Seite anlegen, auf der Benefits, Ablauf und Ansprechperson stehen. Ihre Mitarbeiter bewerten den eigenen Betrieb besser nicht auf Google, die Richtlinie von Google Maps lässt das nicht zu. Stimmen aus dem Team passen auf die Seite für Bewerber.
Nach unserer Beobachtung fehlt Betrieben, die Recruiting-Anzeigen schalten, oft eine Seite, auf der Interessierte mehr über den Betrieb erfahren. Eine Karriereseite, die auch ohne offene Stelle online bleibt und zur Initiativbewerbung einlädt, schließt diese Lücke.
Bewerbung und Antwort: Aufwand und Tempo
6. Die Bewerbung kostet zu viel Zeit
Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse und ein Formular, das am Handy hakt: Für jemanden, der nach Feierabend nebenbei sucht, ist das eine Hürde. Testen Sie den Weg selbst auf dem Handy und stoppen Sie die Zeit. Die Bewerbungsseiten in unseren Kampagnen sind auf eine Bewerbung in unter 1 Minute ausgelegt, mit Name, Telefonnummer und einer Angabe zur Erfahrung.
Ändern: Fragen Sie zuerst nur nach dem, was Sie für einen Rückruf brauchen. Den Lebenslauf gibt es im Gespräch. Bei Sofortformularen in Facebook- und Instagram-Anzeigen ist Vorsicht angebracht: In unseren bisherigen Anzeigen brachten sie keine brauchbaren Kontakte, deshalb führen wir Interessierte auf eine eigene Bewerbungsseite. Wie sie aufgebaut ist, steht im Ratgeber Bewerbungsseite für kleine Betriebe.
7. Die Antwort dauert zu lange
Wer sich bei mehreren Betrieben bewirbt, hört von einem zuerst. Ist das nicht Ihr Betrieb, ist der Vorsprung verloren. Erkennen Sie das daran, dass Bewerbungen unbeantwortet im Postfach liegen oder niemand festgelegt hat, wer nachsieht.
Ändern: Bestimmen Sie eine Person, die täglich ins Postfach schaut, richten Sie eine automatische Eingangsbestätigung ein und rufen Sie binnen 1 bis 2 Werktagen zurück. Das ist unsere Empfehlung, eine Studie dazu haben wir nicht gefunden. Auch eine Absage gehört dazu: Sie zeigt, dass Bewerber bei Ihnen ernst genommen werden.
Die Reihenfolge für Ihre Änderungen
Beginnen Sie mit dem, was wenig Aufwand macht: Testbewerbung, Gehalt ergänzen, weniger Pflichtfelder im Formular. Danach folgen Text und Fotos, dann das Google-Profil und die Seite für Bewerber. Den Kanal wechseln Sie zuletzt, weil er Werbebudget kostet und ohne funktionierenden Bewerbungsweg verpufft: Anzeigen bringen dann Klicks, aber keine Bewerbungen.
Ändern Sie eine Sache nach der anderen und notieren Sie das Datum. So sehen Sie nach 2 Wochen, welche Änderung etwas bewegt hat.
Häufige Fragen zur Stellenanzeige ohne Bewerber
Sind offene Stellen in Österreich weniger geworden?
Muss das Gehalt in der Stellenanzeige stehen?
Wie viele Bewerbungen sind bei einer Stellenanzeige normal?
Muss eine Bewerbung einen Lebenslauf enthalten?
Quellen
- RIS, Gleichbehandlungsgesetz (GlBG), Bundesrecht konsolidiert
- Statistik Austria, Pressemitteilung 14 239-158/26 vom 05.08.2026, Weniger offene Stellen in Österreich im 2. Quartal als zu Jahresbeginn 2026
- Richtlinie (EU) 2023/970, Amtsblatt L 132/21 vom 17.5.2023
- Parlament, Anfrage 6741/J XXVIII. GP vom 30.07.2026
- Google Maps, Richtlinien für von Nutzern veröffentlichte Inhalte
- Eigene Praxis Lumen Media, 30.09.2026
