Mitarbeitergewinnung

Lehrlinge gewinnen: So erreichen Betriebe Jugendliche auf Instagram und TikTok

Von Christoph Harrison · Stand 30.09.2026 · 10 Minuten Lesezeit

Ein 15-Jähriger öffnet abends TikTok oder Instagram, ein Inserat auf einer Jobbörse sieht er dort nicht. Wie kommt ein Betrieb trotzdem in seinen Feed, und was ist bei Minderjährigen erlaubt? Ende 2025 gab es in Österreich 102.878 Lehrlinge, 3.574 weniger als ein Jahr zuvor.

Lehrlingsmarketing hat einen Haken: Wer Lehrlinge gewinnen will, spricht meist Minderjährige an, und für sie gelten bei Werbung eigene Regeln, bei Fotos und Videos ist besondere Sorgfalt gefragt. Sie lesen hier, wo Jugendliche laut Studie unterwegs sind, was Meta und TikTok bei Anzeigen zulassen und was Ihr Betrieb selbst mit dem Handy schafft. Wie eine bezahlte Kampagne für Erwachsene aufgebaut ist, beschreibt die Seite zur Mitarbeitergewinnung mit bezahlten Kampagnen.

Der Lehrlingsstand sinkt, die Lehrstellenbörse bleibt der Grundstock

Der Rückgang trifft auch den Osten: Im Burgenland sank der Stand um 6,3 % auf 2.346, in Niederösterreich auf 16.421 und in Wien auf 17.715. In Gewerbe und Handwerk lernen 43.965 Lehrlinge, das sind 42,7 %.

Den Grundstock bildet die gemeinsame Lehrstellenbörse von WKO und AMS. Laut WKO tragen Betriebe dort ihre offene Lehrstelle ein, und die WKO rät, immer mehrere Maßnahmen zu setzen. Das AMS formuliert auf Wunsch ein Inserat, schlägt passende Bewerber vor und veröffentlicht auf allejobs.at. Für die Ausbildung selbst gibt es die Basisförderung der WKO, ihre Höhe steht im Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk. Die Börse erreicht Jugendliche, die schon suchen. Alle anderen finden Sie dort, wo sie ohnehin täglich sind.

TikTok und Instagram nutzen je 64 % der Jugendlichen

Der Jugend-Internet-Monitor 2026 von Saferinternet.at ist eine repräsentative Onlineumfrage vom Oktober und November 2025 unter 500 Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren. WhatsApp führt mit 82 %, dann folgen YouTube mit 76 % und Snapchat mit 65 %. TikTok und Instagram nutzen je 64 %. Von den TikTok-Nutzern sind 83 % täglich dort, von den Instagram-Nutzern 77 %. Gegenüber dem Vorjahr verlieren beide: TikTok 8 Prozentpunkte, Instagram 9.

Balkendiagramm zur Nutzung von Plattformen durch Jugendliche in Österreich laut Jugend-Internet-Monitor 2026, Anteil in Prozent, 2026 im Vergleich zu 2025: WhatsApp 82 gegenüber 87, YouTube 76 gegenüber 80, Snapchat 65 gegenüber 74, TikTok 64 gegenüber 72, Instagram 64 gegenüber 73. Alle 5 Plattformen verlieren Nutzer. Befragt wurden 500 Jugendliche von 11 bis 17 Jahren, Mehrfachnennungen möglich.JUGEND-INTERNET-MONITOR 2026Alle 5 Plattformen verlieren Nutzer20262025WhatsApp82 %87 %YouTube76 %80 %Snapchat65 %74 %TikTok64 %72 %Instagram64 %73 %Quelle: Saferinternet.at, Jugend-Internet-Monitor 2026,500 Jugendliche von 11 bis 17 Jahren.
Welche Plattformen Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren nutzen, 2026 im Vergleich zu 2025, Jugend-Internet-Monitor von Saferinternet.at.

Die Zahlen gelten für alle 11- bis 17-Jährigen, nicht nur für Lehrstellensuchende. Saferinternet.at beschreibt außerdem, dass Jugendliche Kurzvideos überwiegend passiv konsumieren und viele kaum benennen können, welchen Creatorinnen und Creatoren sie folgen. In Fokusgruppen nannten sie die große Menge an Werbung als störend. Unsere Einschätzung daraus: Ein Betriebsvideo muss ohne Follower funktionieren, und es wirkt besser, wenn es nicht wie eine Anzeige aussieht.

Bezahlte Anzeigen erreichen Minderjährige nur eingeschränkt

Meta: Laut der Meta-Hilfe zu Werbung an Jugendliche können Anzeigen mit Standorten in der EU, im EWR oder in der Schweiz seit November 2023 keine Zielgruppen unter 18 erreichen. Sie laufen weiter an Personen ab 18. Dazu kommt die Sonderkategorie, die Meta für Beschäftigungsanzeigen mit Zielgruppe in Österreich verlangt: Meta zählt Ausbildungsangebote zu den Beschäftigungsanzeigen, und dort ist das Alter in der Regel auf 18 bis 65+ festgelegt. Eine Anzeige für Ihre Lehrstelle sieht ein Schüler der 8. oder 9. Schulstufe deshalb in der Regel nicht. Sie erreicht Erwachsene Ihrer Region, etwa junge Erwachsene, die umsteigen wollen, und Eltern. Weil in der Sonderkategorie einige Interessen fehlen und Ausschlüsse gar nicht möglich sind, sollten Sie sich nicht darauf verlassen, Eltern gezielt auszuwählen.

Hintergrund: Nach Art. 28 Abs. 2 des Digital Services Act (Verordnung (EU) 2022/2065) dürfen Plattformen keine Werbung auf Grundlage von Profiling zeigen, wenn sie hinreichende Gewissheit haben, dass der Nutzer minderjährig ist. Meta geht mit dem vollständigen Stopp weiter, TikTok zeigt Minderjährigen weiter allgemeine Anzeigen.

TikTok: Laut TikTok-Hilfe (Stand Juli 2026) bekommen unter 18-Jährige im EWR, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich nur allgemeine Anzeigen. Interessen, Verhalten, Geschlecht und Postleitzahl entfallen als Auswahl, Alter, Sprache, Land oder Stadt und Gerät bleiben. Das Kampagnenziel Lead Generation ist für diese Gruppe nicht verfügbar. Die Sonderkategorie für Beschäftigung verlangt TikTok laut der Richtlinie vom April 2026 für Werbetreibende mit Sitz in den USA und für Anzeigen an Zielgruppen in den USA oder Kanada. Für Österreich haben wir dort keine vergleichbare Einschränkung gefunden.

Vergleich von Meta und TikTok bei bezahlten Anzeigen an unter 18-Jährige in der EU. Unter 18 Jahren liefert Meta keine Anzeigen aus, TikTok nur allgemeine Anzeigen ohne Interessen-Auswahl. Ab 18 Jahren sind Anzeigen bei beiden möglich, bei Meta mit der Sonderkategorie Beschäftigung. Stand 30.09.2026 laut Hilfeseiten von Meta und TikTok.BEZAHLTE ANZEIGENAnzeigen an unter 18-Jährigein der EUMetaFacebook, InstagramTikTokUnter 18Keine AusspielungUnter 18Nur allgemeineAnzeigenAb 18Jamit SonderkategorieBeschäftigungAb 18JaUnter 18 liefert nur TikTok aus,ohne Interessen-AuswahlQuelle: Meta- und TikTok-Hilfe, Abruf 30.09.2026.
Bezahlte Anzeigen an unter 18-Jährige in der EU: Was Meta und TikTok laut ihren Hilfeseiten zulassen, Stand 30.09.2026.

Eigene Erfahrung mit TikTok-Kampagnen für Lehrlinge haben wir nicht, und wir kennen keine belastbare Zahl zu Kosten je Bewerbung. Für einen kleinen Betrieb ist der eigene Beitrag der Einstieg ohne Werbebudget.

Eltern, Schulen und Schnuppertage erreichen Jugendliche persönlich

Die WKO schreibt: „Eltern beeinflussen ganz maßgeblich die Berufs- und Bildungswahl ihrer Kinder.“ Sie rät deshalb, bei Elternabenden mit Schwerpunkt Berufsinformation mitzuwirken. Eine gepflegte Facebook-Seite und eine Infoseite auf Ihrer Website, mit Lehrlingseinkommen, Ausbildungsweg und Fotos von Lehrlingen, geben Eltern etwas zum Nachlesen. Die WKO empfiehlt, Lehrlinge in die Gestaltung einer solchen Infoseite einzubinden, weil sie am besten wissen, was junge Leute interessiert.

Weitere Wege der WKO sind Kontakte zu Schulen über Direktionen und Berufsorientierungslehrer, Präsentationen im Unterricht, Betriebsbesichtigungen und der Tag der offenen Tür.

Eine besondere Rolle spielt das Schnuppern: Die WKO nennt die berufspraktischen Tage einen wichtigen Teil der Berufsorientierung und eine Hilfe für Betriebe, Lehrlinge zu finden. Schüler der 8. und 9. Schulstufe können sie in Ihrem Betrieb absolvieren. Während der Unterrichtszeit ist das eine Schulveranstaltung, die Schüler sind wie im Unterricht kranken- und unfallversichert. Außerhalb der Unterrichtszeit sind höchstens 15 Tage pro Betrieb und Kalenderjahr möglich, ab der 8. Schulstufe und mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Der Jugendliche darf nicht in den Betrieb eingegliedert werden, sonst entsteht ein Arbeitsverhältnis. Vorher muss der Schüler nachweislich über Jugend- und Arbeitnehmerschutz belehrt werden, und er unterliegt keinen Weisungen außer zu Sicherheitsvorschriften.

Lehrlinge zeigen ihren Alltag, die Einwilligung kommt vor dem Dreh

Diese Formate passen zu Hochformat und kurzen Clips. Es sind unsere Empfehlungen, keine belegten Erfolgsrezepte:

  • Ein Tag mit dem Lehrling: vom Arbeitsbeginn bis zum Feierabend, mit Untertiteln.
  • Ein Werkstück entsteht: im Zeitraffer, vom Rohmaterial zum fertigen Stück.
  • Lehrlinge beantworten Fragen: Wie war der erste Tag, was passiert in der Berufsschule, was verdient man?
  • Ein Schnuppertag im Rückblick: was ein Schüler in einem Tag erlebt.

Planen Sie lieber 2 Videos im Monat, die der Lehrling gern mitgestaltet, als ein Konto, das nach 3 Wochen verstummt. Wie ein Dreh mit Plan, Ton und Untertiteln gelingt, zeigt der Ratgeber zu Drehplan und Ton im Recruiting-Video. Er behandelt die Zustimmung erwachsener Mitarbeiter, bei Minderjährigen kommt mehr dazu.

Nach § 78 Abs. 1 UrhG dürfen Bildnisse von Personen nicht öffentlich verbreitet werden, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt würden. Dazu kommt der Datenschutz: Fotos und Videos erkennbarer Personen sind personenbezogene Daten (Art. 4 Nr. 1 DSGVO), und ihre Verarbeitung braucht nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO eine Rechtsgrundlage, zum Beispiel die Einwilligung. Nach Art. 7 DSGVO müssen Sie eine Einwilligung nachweisen können, und die Person kann sie jederzeit widerrufen. Für Schulen empfiehlt die Arbeitsgruppe Datenschutz im Bildungsministerium laut Saferinternet.at die Einwilligung der Erziehungsberechtigten bis Ende der Sekundarstufe I und ab 14 Jahren die der Jugendlichen selbst. Für Betriebe kennen wir keine gleichlautende Regel. Wir empfehlen, bei Lehrlingen unter 18 vorsichtshalber die schriftliche Zustimmung von Lehrling und Erziehungsberechtigtem einzuholen, getrennt vom Lehrvertrag, mit Angabe der Kanäle und dem Hinweis auf den jederzeitigen Widerruf. Dasselbe empfehlen wir bei Schnupperschülern. Das ist keine Rechtsberatung, bei Zweifeln hilft die WKO.

Was Sie selbst übernehmen und wo Unterstützung sinnvoll ist

Das Meiste im Lehrlingsrecruiting kostet Zeit statt Geld: die Lehrstelle eintragen, Schulen ansprechen, Schnuppertage anbieten, mit den Lehrlingen ein Konto auf Instagram oder TikTok bespielen. Wir empfehlen, damit zu beginnen. Eine bezahlte Kampagne ist eine Ergänzung.

Lumen Media betreut Recruiting-Kampagnen auf Facebook und Instagram, mit Fotos aus Ihrem Betrieb und einer Bewerbungsseite mit Kurzbewerbung. Die Beiträge für Ihr eigenes Konto entstehen in Ihrem Betrieb. Für die Kosten aller Wege gibt es den Ratgeber zur Mitarbeitersuche und ihren Kosten.

Häufige Fragen zur Lehrlingssuche auf Instagram und TikTok

Wo finde ich Lehrlinge für meinen Betrieb?
Die Basis ist die Lehrstellenbörse von WKO und AMS, dazu kommen Schulkontakte, Schnuppertage, Elternabende und die Mundpropaganda Ihres Teams. Die WKO rät, mehrere Maßnahmen zu kombinieren. Instagram und TikTok ergänzen das, weil Jugendliche dort Alltag und Gesichter Ihres Betriebs sehen können, bevor sie jemanden ansprechen. Bezahlte Anzeigen erreichen dort vor allem Erwachsene.
Darf ich Werbung für Lehrstellen an Jugendliche unter 18 ausspielen?
Bei Meta nicht: Anzeigen mit Standorten in der EU erreichen laut Meta keine unter 18-Jährigen. Bei TikTok bekommen sie im EWR nur allgemeine Anzeigen, ohne Interessen-Zielgruppen. Ein eigener Beitrag auf Ihrem Konto ist keine Anzeige, solange Sie ihn nicht bezahlt bewerben. Er berührt aber Bild- und Datenschutzrechte der abgebildeten Personen, deshalb empfehlen wir deren Einwilligung.
Brauche ich die Erlaubnis der Eltern für Videos mit Lehrlingen?
Rechtlich zählen 2 Ebenen: § 78 UrhG schützt Abgebildete, wenn eine Veröffentlichung ihre berechtigten Interessen verletzt, und der Datenschutz nach der DSGVO verlangt für die Veröffentlichung eine Rechtsgrundlage. Eine feste Altersgrenze nennt § 78 UrhG nicht. Wir empfehlen bei Lehrlingen unter 18 die schriftliche Zustimmung von Lehrling und Erziehungsberechtigtem, vor dem Dreh und mit Widerrufsmöglichkeit. Bei Rechtsfragen hilft die WKO.
Wie viele Tage darf ein Schüler bei mir schnuppern?
Berufspraktische Tage während der Unterrichtszeit organisiert die Schule. Außerhalb der Unterrichtszeit sind laut WKO höchstens 15 Tage pro Betrieb und Kalenderjahr möglich, ab der 8. Schulstufe und mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Der Schüler darf nicht in den Betrieb eingegliedert werden.
Lumen Media in Eisenstadt betreut für Betriebe in Ostösterreich (Burgenland, Wien, Niederösterreich) und im DACH-Raum die Suche nach Fachkräften über Facebook und Instagram. Ihr Ansprechpartner ist Christoph Harrison. Wenn Sie prüfen möchten, ob eine Kampagne zu Ihrem Betrieb passt, können Sie Ihren Bedarf in einer Anfrage besprechen. Die Antwort folgt innerhalb von 2 bis 3 Werktagen.

Quellen

  1. WKO, Lehrlinge in Österreich 2025
  2. WKO, Lehrlinge suchen und auswählen
  3. AMS, Lehrlinge suchen und finden
  4. WKO, Basisförderung
  5. Saferinternet.at, Jugend-Internet-Monitor 2026: Deutlicher Rückgang der Social-Media-Nutzung durch Jugendliche
  6. Saferinternet.at, Infografik Jugend-Internet-Monitor 2026
  7. Meta Business-Hilfe, About Advertising to Teens
  8. Meta Business-Hilfe, About audiences for housing, employment or financial products and services campaigns
  9. Meta Business-Hilfe, About Ads for Employment
  10. TikTok for Business, About TikTok advertising restrictions for people under the age of 18
  11. TikTok for Business, Housing, Employment, and Credit (HEC) Ad Policy
  12. Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act), Art. 28 Abs. 2
  13. WKO, Berufspraktische Tage: Die erste Begegnung am Arbeitsplatz
  14. RIS, Urheberrechtsgesetz, § 78 (Bildnisschutz)
  15. Saferinternet.at, Dürfen Fotos/Videos von SchülerInnen auf die Schulwebsite gestellt werden?
  16. Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 4 Nr. 1, Art. 6 Abs. 1, Art. 7

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