Mitarbeiter finden im Handwerk: Wege für kleine Betriebe im Vergleich
Welcher Weg passt, hängt von Ihrer Stelle ab. Wir stellen 7 Wege der Mitarbeitergewinnung im Handwerk nebeneinander: für wen sie sich eignen, wie viel Aufwand sie machen, was sie kosten und wen sie erreichen. Die Zahlen zum Bedarf stammen von WKÖ und Statistik Austria, die Kosten aus dem Leitfaden der WKÖ zur Personalsuche. Wie eine Mitarbeitergewinnung mit Anzeigen im Feed abläuft, steht auf unserer Leistungsseite. Hier ordnen wir ein, wo sie im Vergleich steht.
Fachkräftemangel im Handwerk: Was die Zahlen für Österreich zeigen
Die Wirtschaftskammer hat für das Fachkräfteradar 2026 Unternehmen befragt. 78 % der Unternehmen in Österreich sind demnach vom Fachkräftemangel betroffen, 56 % spüren ihn sehr oder eher stark. Gewerbe und Handwerk spürt ihn mit 62 % an dritter Stelle, nach Transport und Verkehr (66 %) und Tourismus und Freizeitwirtschaft (63 %). Mehr als 60 % der Unternehmen haben die größten Besetzungsschwierigkeiten bei Stellen, für die ein Lehrabschluss nötig ist.
Statistik Austria zeigt die andere Seite. Im 2. Quartal 2026 waren in Österreich im Schnitt 123.400 Stellen unbesetzt, 16,6 % weniger als im 2. Quartal 2025. Die Offene-Stellen-Quote sank von 3,4 % auf 2,9 %. Eine eigene Zahl für das Handwerk nennt die Pressemitteilung nicht. Sie teilt die Stellen auf in den produzierenden Bereich (30.800), Handel und Dienstleistungen (69.700) sowie den öffentlichen und sozialen Bereich (22.900).
Beides stimmt gleichzeitig. Insgesamt gibt es weniger offene Stellen als vor einem Jahr, Stellen mit Lehrabschluss sind laut WKÖ-Befragung aber am schwersten zu besetzen.
7 Wege im Vergleich
Die Tabelle stellt die Wege nebeneinander. Die Spalten „Für wen“ und „Aufwand“ sind unsere Einschätzung für einen kleinen Betrieb, die Kosten stammen aus den genannten Quellen. Wo es keinen belegten Preis gibt, stehen die Kostenfaktoren.
| Weg | Für wen | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|---|
| AMS eJob-Room | Betriebe, die Arbeitsuchende oder Lehrlinge suchen | gering bis mittel | kostenlos laut AMS |
| Jobbörsen (karriere.at, willhaben Jobs) | Stellen, für die viele Bewerber infrage kommen | mittel | Preis je Inserat und Laufzeit, beim Anbieter erfragen |
| Regionalzeitung | Stellen mit örtlich begrenzter Suche | gering | laut WKÖ teuer, mit Streuverlust |
| Personalberater | Betriebe ohne Zeit für die Auswahl | gering | laut WKÖ im Schnitt 14 % bis 25 % des Jahresbruttogehalts |
| Empfehlung (Umfeld und Team) | Betriebe mit gutem Ruf im Umfeld | gering | im eigenen Umfeld laut WKÖ ohne Kosten, eine Prämie fürs Team legen Sie selbst fest |
| Social Recruiting | schwer zu besetzende Fachkraftstellen | mittel bis hoch | Werbebudget plus Aufbau von Anzeigen und Bewerbungsseite |
| Lehrlingsausbildung | Betriebe, die Nachwuchs selbst aufbauen | hoch, über Jahre | Lehrlingseinkommen nach Kollektivvertrag, Basisförderung der WKÖ |
Die Grafik ergänzt, was die Tabelle nicht zeigt: wen ein Weg erreicht. Wer auf einer Jobbörse nach einer Stelle sucht, sieht laut WKÖ Ihr Inserat.
Wege für aktiv Suchende: AMS, Jobbörsen, Regionalzeitung und Personalberater
AMS eJob-Room: Der eJob-Room ist nach Angabe des AMS kostenlos. Sie legen Stellenangebote an, beschreiben die Anforderungen und suchen selbst nach Personen, deren Suchprofil passt. Wer Unterstützung will, wendet sich an eine der 106 AMS-Geschäftsstellen, die mit Ihnen ein Stellenprofil erarbeiten und passende Bewerber vorschlagen. Die Qualifikation der Bewerber sollten Sie laut WKÖ in jedem Fall prüfen.
Jobbörsen: karriere.at, willhaben Jobs, Stepstone oder Hokify zeigen Ihr Inserat allen, die dort suchen. Die Laufzeit beträgt laut WKÖ meist 30 Tage. Inserate bei bekannten Anbietern sind teils kostspielig, und auf den großen Börsen konkurrieren Sie mit vielen anderen Unternehmen um dieselben Bewerber. Preise ändern sich, fragen Sie deshalb den Anbieter nach dem aktuellen Preis je Laufzeit.
Regionalzeitung: Ein Inserat eignet sich laut WKÖ für eine örtlich begrenzte Suche, ist aber teuer, hat großen Streuverlust und geht bei einmaligem Erscheinen leicht unter. Was es kostet, hängt von Anzeigengröße, Auflage und Zahl der Erscheinungen ab.
Personalberater: Er übernimmt die Suche und die Vorauswahl gegen Honorar. Laut WKÖ zahlen Sie im Durchschnitt ca. 14 % bis 25 % des Jahresbruttogehalts, die Inseratkosten kommen meist dazu. Es gibt auch Fixpreise. Ein Rechenbeispiel: Bei 40.000 € Jahresbruttogehalt (ein angenommener Wert, kein Marktwert) wären das 5.600 € bis 10.000 €. Das lohnt sich vor allem, wenn Ihnen die Zeit für Vorauswahl und Gespräche fehlt.
Wege zu Fachkräften, die nicht suchen: Empfehlung und Social Recruiting
Eine Fachkraft, die zufrieden in ihrem Betrieb arbeitet, schaut selten auf eine Jobbörse. 2 Wege erreichen sie nach unserer Einschätzung trotzdem.
Die Empfehlung aus Ihrem Umfeld, also von Familie, Freunden und Bekannten, kostet laut WKÖ nichts. Auch Ihr Team und Ihre Kunden können die Stelle weitersagen. Die WKÖ weist darauf hin, dass eine Empfehlung aus dem Bekanntenkreis eine Verpflichtung mit sich bringen kann. Ein Prämiensystem, bei dem Mitarbeiter Mitarbeiter werben, gibt dem Team einen Anlass, die Stelle weiterzuerzählen. Die Höhe der Prämie legen Sie selbst fest. Der Kreis bleibt allerdings auf die Menschen begrenzt, die Ihr Team kennt.
Social Recruiting zeigt Ihre Stelle auf Facebook und Instagram Menschen im Umkreis Ihres Betriebs, unabhängig davon, ob sie gerade suchen. Für das Recruiting im Handwerk bietet Lumen Media diese Leistung an. Nach unserer Einschätzung passt sie, wenn AMS und Jobbörse keine passende Bewerbung gebracht haben, wenn die gesuchte Fachkraft selten ist oder wenn Ihr Betrieb als Arbeitgeber sichtbar werden soll. Es braucht Werbebudget (wir empfehlen ab 10 € pro Tag, das Budget zahlen Sie an Meta), echte Fotos von Betrieb und Team und eine Bewerbungsseite, auf der eine Bewerbung schnell geht. Auch die WKÖ nennt soziale Netzwerke als Weg und rät, nicht erst zu Beginn der Suche, sondern zumindest ein paar Monate vorab Inhalte zu zeigen. In unserer Praxis brachten Sofortformulare von Meta keine brauchbaren Kontakte. Ablauf und Möglichkeiten beschreibt der Beitrag Social Recruiting für kleine Betriebe, die Kostenseite der Beitrag Was die Mitarbeitersuche kostet.
Lehrlingsausbildung und die Kombination der Wege
Wer Fachkräfte selbst ausbildet, muss weniger von ihnen suchen. Laut WKÖ-Befragung würde rund die Hälfte der Betriebe mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie genug geeignete Interessenten fänden. Das AMS unterstützt bei der Lehrlingssuche mit einem Inserat, der Veröffentlichung auf allejobs.at und dem eJob-Room.
Hauptkosten sind das Lehrlingseinkommen nach Kollektivvertrag und die Zeit für die Ausbildung. Einen Teil erstattet die Basisförderung der WKÖ nach jedem Lehrjahr: Für Lehrjahre, die ab dem 1. Juli 2026 enden, sind das 75 % der bisherigen Sätze, also 2,25 Lehrlingseinkommen für das 1., 1,5 für das 2. und je 0,75 für das 3. und 4. Lehrjahr. Eine Basisförderung pro Kalenderjahr, für einen Lehrling Ihrer Wahl, zahlt die WKÖ weiter voll aus (3, 2 bzw. 1 Lehrlingseinkommen). Den Antrag stellen Sie spätestens 3 Monate nach Ende des Lehrjahres (Stand 06.07.2026). Wie Sie Jugendliche über Instagram und TikTok erreichen, beschreibt der Beitrag Lehrlinge gewinnen.
Wir empfehlen kleinen Betrieben diese Reihenfolge: Zuerst kommen die kostenlosen Wege (Empfehlung, AMS und die Stelle auf der eigenen Website), dann eine Jobbörse für die Laufzeit von meist 30 Tagen. Kommt bis dahin keine passende Bewerbung, spricht eine Kampagne die Fachkräfte an, die nicht suchen. Die Lehrlingsausbildung läuft parallel, weil sie Jahre braucht.
Häufige Fragen zur Mitarbeitersuche im Handwerk
Wie finde ich am schnellsten Mitarbeiter?
Wie gewinnt man Mitarbeiter im Handwerk?
Welche Wege der Mitarbeitersuche sind kostenlos?
Lohnt sich Social Recruiting für einen kleinen Handwerksbetrieb?
Quellen
- WKÖ Fachkräfteradar 2026
- Statistik Austria, Offene Stellen 2. Quartal 2026 (Pressemitteilung vom 05.08.2026)
- WKO, Wie und wo erreiche ich neue Mitarbeiter:innen?
- AMS, Personal finden
- AMS, eJob-Room: finden und gefunden werden
- AMS, Lehrlinge suchen und finden
- WKO, Basisförderung für Lehrbetriebe
- Eigene Praxis Lumen Media aus Recruiting-Kampagnen auf Meta
